SLOW WAVES
ROBERT BRAMBORA, TALISA LALLAI, ULRIKE SCHULZE
4 NOVEMBER – 22 DECEMBER 2016

Robert Brambora, installation view "Slow Waves" at VAN HORN, Düsseldorf 2016Robert Brambora, Getting A Job, 2016, bog oak, lasercut, 27 x 42 x 7 cm<br>photo VAN HORN, Düsseldorf, 2016Robert Brambora, Untitled, 2016, oil on vat paper, 149 x 205 cm<br>Courtesy VAN HORN, DüsseldorfRobert Brambora, 7 months, 135 applications, 54 rejections, 4 offers, finally got a job!, 2016, bog oak, lasercut, 23 x 40 x 5 cm<br>photo VAN HORN, Düsseldorf 2016
Robert Brambora, installation view "Slow Waves" at VAN HORN, Düsseldorf 2016
Ulrike Schulze, installation view "Slow Waves" at VAN HORN, Düsseldorf 2016Ulrike Schulze, The Midget, 2016<br>ceramics, wood, chipboard, 59,5x20x21 cm <br>Courtesy VAN HORN, DüsseldorfUlrike Schulze, Rubber, 2016<br>painted ceramics, 61x30,5x3 cm<br>Courtesy VAN HORN, DüsseldorfUlrike Schulze, Family Life, 2016<br>painted chipboard, 82x28,5x18,5 cm<br>Courtesy VAN HORN, DüsseldorfUlrike Schulze, The Visitors, 2016, detail, painted ceramics, painted chipboard, wood, 57x25x159 cm & Family Life<br>Courtesy VAN HORN, DüsseldorfUlrike Schulze, Shelter, 2016<br>paint, chipboard, metal tape, nails, 82x28,4x10,6 cm<br>Courtesy VAN HORN, Düsseldorf
Talisa Lallai, Untitled (Statues), 2015, inkjet print, 2-parts, each 36,4x26,4 cm, Ed.5+2<br>photo VAN HORN, DüsseldorfTalisa Lallai, You shouldn’t like pink because that’s for girls, 2016, digitalised 8mm video, 2 min. loop, Ed. 5 + 2 <br>VAN HORN, Düsseldorf 2016Talisa Lallai & Ulrike Schulze<br>Installation view "Slow Waves" at VAN HORN, <br>Düsseldorf 2016Talisa Lallai, Der Gewöhnliche Flamingo (Phoenicopterus<br>ruber rosens), 2015, inkjet print, 31,4x23,7 cm, Ed. 5+2<br>VAN HORN, Düsseldorf 2016Ulrike Schulze, The Pale Queen, 2016<br>painted ceramics, 31x30x29 cm<br>Courtesy VAN HORN, Düsseldorf

Footer Description: Etwa ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Zustand einer temporären Bewusstlosigkeit und durchlaufen dabei fünf Stadien des Schlafs. Eine davon ist der sogenannte ‚Slow-Wave-Schlaf’ – bekannt als Tiefschlafphase, in der die Hirnwellen die langsamste Aktivität während des gesamten Schlafzyklus aufweisen. In der Gruppenausstellung „Slow Waves“ setzen sich drei junge Künstler individuell mit verschiedenen Phänomenen des Schlafens auseinander. Schlaf hat als undefinierbarerer und unverständlicher Bedeutungsraum des Un- und Unterbewussten viele Facetten: Von feinsinniger Traumwelt über eine sanfte Entrücktheit bis hin zu verstörender Erschöpfung.

Kraftlos, erschöpft und abgeschlagen verschmelzen Robert Bramboras Figuren mit ihrem farblosen Untergrund. Der Künstler inszeniert den Erschöpfungszustand als zunehmendes Phänomen unserer Gesellschaft mit malerischer Ausdruckskraft. Obwohl die Szenerien wirklichkeitsnah sind, verweisen Elemente auf das Innenleben der dargestellten Personen und lassen den Betrachter teilhaben. Das Psychogramm gibt keine Auskunft in welchem Zustand sich die Figuren befinden: Halbschlaf, Langeweile, Verweigerung oder Trägheit. Bramboras Malereien zeigen eine Art ‚Anti-Ikonen’ unserer heutigen Leistungsgesellschaft. Die Stärke der Verweigerung wird durch die Gattung der Malerei unterstrichen. Vor allem die figürliche Malerei galt bis zum Ende des 20. Jahrhunderts als unzeitgemäß und wurde als Stillstand der zeitgenössischen Kunstgeschichte diffamiert. Neben den Malereien setzen sich Bramboras Mooreichenobjekte mit einem angrenzenden Thema auseinander: Der Erschöpfung und Ohnmacht durch Arbeit. Dieser Themenbereich sorgt in der digitalen Welt für hohen Diskussionsbedarf – unter anderem auf dem bekannten Blog „Reddit“. Brambora nutzt die digitalen und flüchtigen Kommentare zu Suizidgedanken, Depressionen und psychischen Sackgassen, um sie materiell als Gravur auf den Mooreichenplatten zu fixieren und dadurch beständig zu machen. Die Flüchtigkeit des Digitalen weicht und wird ersetzt durch die Haltbar- und Beständigkeit einer Art Gesetzestafel oder einem rituellen Kultgegenstand. Brambora analysiert mit kulturanthropologischem Blick gesellschaftliche Phänomene und öffnet sie über seine künstlerischen Arbeiten gleichzeitig für die kritische Auseinandersetzung.

Die weißlichen Sperrholzarbeiten der Künstlerin Ulrike Schulze sind von poetisch sinnlicher Qualität, die aus einer rätselhaften Welt zu kommen scheint. Die roh bearbeiteten, puristischen Arbeiten changieren zwischen dem Bekannten, dem Fremden und dem imaginär Traumhaften. Auf den ersten Blick sind sie der Tradition des formalen Minimalismus verwandt, auf den Zweiten entwachsen sie Diesem durch den besonderen, zarten und eigenständigen Umgang mit Material und Raum. Anmut, Aggression, Fragilität und Grobheit treffen aufeinander. Durch ihre Ausstrahlung treten die Arbeiten in Beziehung zum Ausstellungsraum und werden selber zur temporären Architektur. Im Umkehrschluss wird der bereits vorhandene Raum neu erfasst und wahrgenommen. Die Künstlerin vergleicht dieses Phänomen mit dem Moment des Aufwachens und Einschlafens. Das Versinken in den Schlaf erfordert ein paar Minuten des Einlassens auf einen sanft entrückten Zustand, während der erste Blick in die wirkliche Welt beim Aufwachen orientierungslose Irritation hervorruft. Zwischen diesen Zuständen bewegen sich die Werke von Ulrike Schulze. In Schulzes Keramiken machen eingedrückte und eingeritzte Stellen den Arbeitsprozess sichtbar. Sie befindet sich während des malerischen und materiellen Bearbeitens immer auf einem schmalen Grad zwischen Laut und Leise und versucht diesen auszuloten.

Die intermedialen Arbeiten von Talisa Lallai setzen sich mittels einer verklärten Bildsprache mit dem traumverlorenen Moment der Sehnsucht auseinander. In verlangsamten, zarten Bewegungen der Flamingos in der Videoarbeit You shouldn’t like pink because that’s for girls verliert sich jegliches Gefühl für Ort und Zeit. Die Dauerschleife des Super 8 Filmformats ist mehr eine zierlich bewegte Fotografie, die nicht verrät ob die anmutigen Tiere in freier Wildbahn oder Gefangenschaft aufgenommen wurden, aus welcher Zeit die Aufnahme stammt und welche Funktion der Mitschnitt hat. Die Künstlerin richtet ihre Aufmerksamkeit auf abgenutzte Motive eines wiederkehrenden Trends und entfernt zentrale Erkennungsmerkmale. Sobald die auffällig pinke oder rosafarbene Federpracht der Flamingos in verblichene Graunuancen übergeht, entfällt dessen Besonderheit. Dennoch erzeugen die Tiere eine besondere Sehnsucht und den reizvollen Schein einer eigenartigen, selbstgenügsamen, unzugänglichen und unbeobachteten Fremde und Ferne. Lallais opake Arbeiten sind wie ein seichter Sog in eine romantisierte und Sehnsucht besetzte Traumwelt, in der Zeitempfinden und räumliche Orientierung außer Kraft gesetzt sind.

Robert Brambora, *1984, lebt und arbeitet in Köln und Düsseldorf, dhcs-Stipendiat des Kunstverein f.d. Rheinlande u. Westfalen; Mitkurator Bruch&Dallas, Köln; Co-Gründer von Real Positive. Ausstellungen u.a. Museum Kunstpalast, Düsseldorf; Salon Kennedy, Frankfurt; ABC Kolonie, Kopenhagen; Kunstverein Wiesen; Weltkunstzimmer, Düsseldorf
Talisa Lallai, *1989, lebt und arbeitet in Düsseldorf, Ausstellungen u.a. im Kunstmuseum Solingen; BolteLang, Zürich; KIT Düsseldorf; Museum Kunstpalast, Düsseldorf; Sies & Höke, Düsseldorf, Coalmine, Winterthur
Ulrike Schulze, *1985, lebt und arbeitet in Köln, 1. Preisträgerin des Ehrenhofpreises. Ausstellungen u.a. Museum Kunstpalast, Düsseldorf (2017); Tom, Dick or Harry, Düsseldorf; Bruch & Dallas, Köln
Alle drei Künstler sind Absolventen und Meisterschüler der Kunstakademie Düsseldorf in der Abschlußklasse von Rebecca Warren 2015/2016.